Taxi – ARD Wien https://www.ard-wien.de ARD Wien Website Thu, 28 Dec 2017 12:34:29 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.4 https://hayvan-storage-wordpress-master-studiowien.s3.amazonaws.com/uploads/2016/02/cropped-wien_favicon_512-1-32x32.png Taxi – ARD Wien https://www.ard-wien.de 32 32 „Manche sind richtig reich geworden“ https://backup.ard.wien/2017/12/28/mazedonien-kioskbesitzer-fluechtlinge/ https://backup.ard.wien/2017/12/28/mazedonien-kioskbesitzer-fluechtlinge/#comments Thu, 28 Dec 2017 12:34:29 +0000 https://www.ard-wien.de/?p=55302 Über gute Geschäfte mit Flüchtlingen in Gevgelija Während der großen Flüchtlingsbewegung, war der kleine mazedonische Grenzort Gevgelija ein Brennpunkt. Heute ist es hier wieder ruhig, doch das Thema beschäftigt die Bewohner weiter. Auch Giorgij Kostadinov hat viele Erinnerungen. Wer mit ihm reden möchte, der muss sich erst einmal bücken. Der schwarzhaarige Mazedonier ist Kioskverkäufer und […]

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Über gute Geschäfte mit Flüchtlingen in Gevgelija

Während der großen Flüchtlingsbewegung, war der kleine mazedonische Grenzort Gevgelija ein Brennpunkt. Heute ist es hier wieder ruhig, doch das Thema beschäftigt die Bewohner weiter. Auch Giorgij Kostadinov hat viele Erinnerungen. Wer mit ihm reden möchte, der muss sich erst einmal bücken. Der schwarzhaarige Mazedonier ist Kioskverkäufer und sitzt hinter einem kleinen, rechteckigen Fenster. Artikel auf www.ard-wien.de lesen

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Srdjan Govedarica über einen Tag in Nickelsdorf

Auch die richtige Kleidung hilft heute nicht in Nickelsdorf. Es ist kalt, windig und feucht. Die Kälte ist heute mein Thema. Ich bin da, um über Männer, Frauen und Kinder zu berichten, die jetzt Flüchtlinge heißen, und die in den vergangenen Tagen immer wieder gewartet und gefroren haben. Von Grenze zu Grenze wurden sie gefahren, die Balkanroute ist hart im Oktober, die Menschen erzählen von ihren Erlebnissen, einige von unangenehmen – andere von grausamen.

Hier in Nickelsdorf sind sie kurz vor ihrem Ziel. Sie warten auf Busse, die sie zum vielleicht letzten Etappenziel ihrer Reise bringen sollen – fast alle wollen nach „Djermani“. Ein Bus kann 50 bis 60 Menschen aufnehmen, Hunderte andere warten im Freien. Vor dem Wetter schützen sie sich so gut sie können, tragen Jacken über Jacken, sind in Decken gepackt, nur selten blitzt ein Stück Haut auf, die Kinder sehen aus wie Stoffballen mit Gesicht. Ich habe noch nie Schiffbrüchige in echt gesehen, aber so in etwa stelle ich sie mir vor. Die Polizei, das Bundesheer und Freiwillige mit Rot-Kreuz-Westen leisten viel, damit die Menschen schnell und einigermaßen warm weiterkommen. Aber auch ein warmer Tee hilft heute nicht, die Kälte wirkt von innen.

Ich muss weiter. Beim „Nova-Rock-Zelt“ bin ich zum Interview verabredet, dort hat das Rote Kreuz den Backstage-Bereich eines Musikfestivals zur beheizten Sammelstelle umfunktioniert. Zwei Kilometer sind es bis dahin, vielleicht drei, ich versuche ein Taxi zu bekommen. Schon auf dem Hinweg habe ich die etwa Hundert Wagen gesehen, die in einer schleichenden Blechprozession darauf warten, Flüchtlingskundschaft zu bekommen. 170 Euro kostet es nach Wien – pro Fahrt und NICHT pro Person, das steht der guten Ordnung halber überall auf Flyern geschrieben, auf Englisch und Arabisch. Einige der Menschen können oder wollen nicht in der Kälte auf den Bus warten und leisten sich ein Taxi. Wenn man vor Fassbomben flieht, muss man nicht automatisch auch mittellos sein – auch das habe ich auf der Balkanroute gelernt. Das wissen auch die Taxifahrer. Es heißt, dass sie gerne auch „a bisserl“ mehr verlangen als die 170 Euro.

Nickelsdorf: Taxifahrer warten in einer langen Schlange auf Flüchtlingskundschaft. Foto: BR | Srdjan Govedarica
Nickelsdorf: Taxifahrer warten in einer langen Schlange auf Flüchtlingskundschaft. Foto: BR | Srdjan Govedarica

Die Taxifahrer sind in El-Dorado-Stimmung. Keiner ist bereit, mich läppische drei Kilometer weit zu fahren und dann in der Schlange wieder hinten anzufangen. Hilfe bekomme ich vom „Taxi-Koordinator“, der an seiner leuchtend-roten Weste zu erkennen ist. Er ist vom Typ „Checker“, außerdem auch so ein Jugo wie ich, deshalb springt er mir bei. Er spricht mit der Polizei und überredet sie, für den Taxifahrer mit der Pole-Position eine Ausnahme zu machen. Die Polizisten geben sein Kennzeichen über Funk durch und versprechen, dass er auf dem Rückweg über eine eigentlich gesperrte Straße fahren und den ersten Platz wieder einnehmen darf.

Auch der Taxifahrer ist Jugo. Ein Typ Mitte Fünfzig mit Schirmmütze, die Form seiner Nase lässt mich schlechte Leberwerte vermuten. Er ist redselig, die Aussicht auf ein schnelles Flüchtlingsgeschäft macht ihm gute Laune. Aber auch ein bisschen angespannt ist er, wie ein Jäger kurz vor dem Fang. Den Wagen steuert er fahrig, kein Passant, nach dem er sich nicht hektisch umdreht. Vielleicht ein Flüchtling auf Taxisuche?

Als wir am Rot-Kreuz-Zelt ankommen, bekommt er große Augen. Etwa Vierzig Menschen stehen hier. Sie schultern ihr Gepäck und sehen so aus, als könnten sie ein Taxi gebrauchen. Während ich aussteige und meine Sachen aus dem Kofferraum hole, macht der Taxifahrer seinen Fang. Vier junge Männer wollen mit ihm nach Wien. Ich möchte bezahlen und rufe nach einer Quittung. Der Fahrer fragt zurück, welchen Betrag er auf die Quittung schreiben soll. Ich wende ein, dass nicht ich den Fahrpreis bestimme sondern ja wohl er? Er winkt ab – die Fahrt gehe auf ihn. Ich verstehe langsam: Vor lauter Freude über das abgeschlossene Geschäft will er mir ein Trinkgeld spendieren. Obwohl ich darauf bestehe, nimmt er von mir kein Geld für die Fahrt an, stellt mir aber trotzdem eine Quittung über 10 Euro aus.

DIE Trinkgeldquittung. Foto: BR | Srdjan Govedarica
DIE Trinkgeldquittung. Foto: BR | Srdjan Govedarica

Ich werde die Quittung natürlich nicht verwenden. Aber ich werde sie als Andenken behalten –  an eigenartige Erlebnisse in einer eigenartigen Zeit.

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Ausländische Touristen in Mazedonien haben es nicht leicht: Taxi-Fahrer verstehen kein englisch, Marktfrauen verzehnfachen die Preise, sobald sie einen Ausländer erblicken, in Restaurants wartet man hoffnungslos auf einen Kellner und in Pensionen dreht man ihnen das Badewasser ab, um Geld zu sparen.
In einer Werbe-Kampagne nimmt mazedonische Regierung nun selbst diese Vorurteile auf humoristische Weise auf die Schippe. Mit Video-Clips auf englisch will sie gleichzeitig um Touristen werben, sie aber auch warnen. Darüber hinaus will sie damit aber auch die eigene Bevölkerung „erziehen“.

Für die Taxifahrer bleibt es nicht nur bei lustigen Appellen. Bis 2015 müssen alle Taxifahrer englisch lernen und für die Verlängerung ihrer Lizenz den erfolgreichen Abschluss der Stufe 1 „Learning english“ vorweisen. Allein 2000 sind in der Hauptstadt Skopje betroffen. Nach anfänglichen Protesten haben die meisten Taxi-Unternehmen die neue Herausforderung angenommen. „Unsere Firma gehört zu den ersten, die alle ihrer Fahrer zu Kurs angemeldet hat. Wir Taxifahrer sind das Gesicht der Stadt und es ist wirklich an der zeit, dass wir auch mit den Ausländern, die uns in immer größerer Zahl besuchen, kommunizieren können“, erklärt der Geschäftsführer Oliver Nikusev.

Aber als wir die Taxi-Fahrer auf der Straße befragten, bekamen wir ganz anderes zu hören: „Das können vielleicht die Jungen machen, aber was soll ich machen. Ich bin 60 Jahre alt und wenn ich nach der Schicht nach Hause komme bin ich todmüde und kann bei besten Willen nicht dann noch englisch lernen. Ich werde mir wohl einen neuen Job suchen müssen.“ Sein Kollege wirft ein, dass Englisch ohnehin die falsche Fremdsprache ist: „Wir sollten lieber Albanisch lernen, denn da kommen die meisten unserer Fahrgäste her.“

 Mitarbeit: Lyubisha Nikolovski

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